Museumshafen Oevelgönne Wir bringen Geschichte in Fahrt!
MALTZAHN vorm Hadag-Anleger

Neue Masten für die „Maltzahn“

Masten aus den Harburger Bergen für Traditionskutter in Hamburg

(Rosengarten/Hamburg) In den Tallagen der Harburger Berge liegen derzeit zwei außergewöhnliche Stämme im Wald. Noch sind es gefällte Douglasien – doch schon bald sollen sie als neue Masten das historische Museumsschiff PRÄSIDENT FREIHERR VON MALTZAHN im Museumshafen Oevelgönne tragen.

Die beiden rund 120 Jahre alten Bäume wurden kürzlich in der Revierförsterei Rosengarten im Forstamt Sellhorn der Niedersächsischen Landesforsten gefällt. Über 50 Meter hoch gewachsen und mit einer Breite von mehr als einem Meter, zählten sie zu den stärksten Exemplaren im dortigen Baumbestand. Derzeit lagern die auf 26 Meter Länge abgelängten Stämme noch im Wald. Der Abtransport erfolgt in den kommenden Wochen als nächtlicher Sondertransport durch ein Hamburger Unternehmen, das sonst Rotorblätter von Windenergieanlagen bewegt – die außergewöhnliche Länge macht diese Logistik erforderlich.

Die Initiative ging direkt vom Museumshafen und den Schiffsbauern aus. „Kurze Wege und eine enge fachliche Abstimmung sind bei so einem Projekt entscheidend“, erläutert Thorge Both, Revierleiter in Rosengarten. Grundlage für die Auswahl war eine detaillierte Planzeichnung des Schiffsbauers. Beide Douglasien wurden von ihm persönlich ausgesucht.

Höchste Anforderungen an Holzqualität und Wuchsform

Die Anforderungen an die künftigen Masten waren außergewöhnlich hoch. Der spätere Hauptmast wird 24,5 Meter messen, der zweite Mast 17,5 Meter. Bereits in drei Metern Höhe musste noch ein Durchmesser von 40 Zentimetern – ohne Splintholz, ausschließlich tragfähiges Kernholz – vorhanden sein. Die Stämme durften nicht gekrümmt sein, sollten möglichst astrein gewachsen sein und keine problematischen Schwarzäste aufweisen. Feinäste hingegen sind für den traditionellen Schiffsbau unkritisch.

Auch die Fällung verlangte höchste Präzision: Aufgrund der enormen Länge durfte kein Bruch entstehen. Erfahrung, exakte Fallkerbtechnik und sorgfältige Planung waren Voraussetzung, um die Stämme unversehrt zu Boden zu bringen.

„Es ist etwas ganz Besonderes im Försterleben, solche starken, alten Bäume für einen traditionellen Mast ernten zu dürfen“, sagt Both. „Geeignete Exemplare sind selten. Mein Vorgänger hat in 44 Dienstjahren 16 Masten geliefert – heruntergerechnet zeigt das, wie außergewöhnlich solche Momente im forstlichen Alltag sind.“

Auch Manfred Schmidt, Crewmitglied der PRÄSIDENT FREIHERR VON MALTZAHN und Organisator der Masten, freut sich ebenfalls: „Seit vielen Jahrhunderten werden Hamburger Schiffe aus dem Rosengarten mit Masten versorgt. Es ist eine Ehre diese Tradition fortzusetzen“.

Douglasie – gewachsen für den Außeneinsatz

Die Wahl fiel bewusst auf Douglasien. Die Baumart gilt als witterungsbeständig und ist für den dauerhaften Einsatz im Außenbereich besonders geeignet. In den Tallagen der Harburger Berge wachsen sie vergleichsweise langsam, bilden enge Jahrringe und entwickeln lange, gerade Schäfte – ideale Voraussetzungen für den traditionellen Holzschiffbau.

„Noch liegen die künftigen Masten im Wald der Harburger Berge. Doch sie sind bereits bestimmt für ein zweites Leben auf See. Gewachsen über mehr als ein Jahrhundert und nun Teil eines tollen weiteren Projektes“, freut sich Torge Both abschließend.

Ein Stück maritime Geschichte

Die PRÄSIDENT FREIHERR VON MALTZAHN wurde 1928 auf der Sietas-Werft in Cranz gebaut. Der Finkenwerder Hochseekutter beeindruckt mit rund 320 Quadratmetern Segelfläche. Ursprünglich diente das Schiff der Hochseefischerei und war zeitweise auch als schwimmendes Aquarium im Einsatz. Der Ausdruck bezieht sich darauf, dass die Maltzahn 1928 eine Bünn, also einen vom Wasser durchflossenen Lagerraum, für die gefangenen Fische hatte. Diese wurden so lebend an Land gebracht. Während des Zweiten Weltkriegs wurde es zur Minenbekämpfung herangezogen. Nach bewegter Geschichte, Eigentümerwechseln und zwischenzeitlichem Verfall gehört der Kutter heute zu den Traditionsschiffen im Museumshafen Oevelgönne.

Der Verein Museumshafen Oevelgönne e.V. ist eine private Initiative von ehrenamtlich arbeitenden Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben historische Schiffe zu erhalten.

Pressebericht von © Forstamt Sellhorn, Regionale Presseregion Nordost